Wir haben dieses Jahr viel über die Herausforderungen der Zukunft gesprochen: den Klimawandel, Chinas Öko-Kollaps, eine saubere Energieversorgung. Wir haben aber auch Lösungen für einige dieser Probleme beschrieben – eine Schwerkraftlampe, die für eine Lichtrevolution in Entwicklungsländern sorgen könnte, neue Mobilitätskonzepte oder die von Unternehmen selbst vorangetriebene Energiewende.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns zu wenig mit unserem eigenen Verhalten beschäftigen. Was tun wir persönlich? Fliegen wir weniger? Denken wir an die Probleme der Zukunft, wenn wir ein Auto kaufen? Bringen wir alte Geräte tatsächlich zum Recycling? Oft nicht.

Nachhaltigkeitsmanager von Unternehmen treffen sich stattdessen in feinen Restaurants und essen dort Fisch, den Fischer in Asien mit Dynamit aus dem Meer sprengen. Umweltjournalisten fliegen – sobald sie mehr als drei Tage frei haben – zu den schönsten Korallenriffen der Welt, zum Tauchen natürlich. Und wir alle werfen Elektronikteile in den Müll, wohl wissend, dass darin viele seltene Rohstoffe stecken, für deren Abbau Tausende Menschen ihr Leben riskieren.

Oft lautet das Argument: Wir nutzen ja Energiesparlampen, verzichten in der Stadt aufs Auto – dafür fliegen wir eben etwas mehr. Dass Alltagsökos im Urlaub zu Umweltsäuen mutieren, bezeichnen Forscher als Boomerang- oder Rebound-Effekt. Grob gesagt steckt dahinter die Beobachtung, dass zusätzlicher Ressourcenverbrauch schnell Einsparungen zunichte macht, die wir zuvor mühsam durch neue Technik oder eine Verhaltensänderung erreicht haben. Wer kein Auto hat, fliegt mehr und wer Energiesparlampen besitzt, lässt das Licht länger brennen.

An diesem ganz persönlichen Boomerang-Effekt müssen wir arbeiten. Denn nur wenn wir absolut weniger Ressourcen verbrauchen, hat unser nachhaltiges Handeln einen Effekt. Ansonsten ist es wenig mehr als schöner Schein. Wir bei WiWo Green arbeiten daran und werden nächstes Jahr versuchen, beruflich viel weniger zu fliegen. Es ist nicht viel. Aber ein Anfang.

Was tun Sie, um den Ressourcenverbrauch zu senken? Schreiben Sie mir an sebastian.matthes@wiwo.de. Nächste Woche stellen wir die interessantesten Konzepte bei WiWo Green vor.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Start ins Jahr 2013.

Sechs Dinge, die wir vergangene Woche gelernt haben:

  1. Über die Hälfte der Lebensmittel landen im Müll. Ein Kölner will dieses Problem mit einer neuen Internetplattform lösen.
  2. Sozial ist das neue grün: Die Wettbewerbsfähigkeit einer Gesellschaft wird davon abhängen, wie viele soziale “Changemaker” sie hat, argumentiert unser Autor.
  3. Blockheizkraftwerk, Gasheizkessel, Erdwärme oder doch der gute alte Kamin? Wie man sein Eigenheim derzeit am günstigsten beheizt. 
  4. Schneller als Amazon. Tiramizoo bringt Einkäufe innerhalb von wenigen Stunden zu den Kunden – und will damit die Logistik revolutionieren. 
  5. Wieder spendeten über Weihnachten Unternehmen Millionen Euro. Laut Umfragen vermuten Kunden aber hinter jeder Spende Heuchelei.
  6. Wohin nur mit dem alten Computer? Bei Labdoo landen ausrangierte Laptops nicht im Recycling. Freiwillige möbeln sie auf und liefern sie an Schulen in Entwicklungsländern.