Es war klein gegen groß, weite Welt gegen Beschaulichkeit. Kürzlich traf Frank Jensen, Bürgermeister von Kopenhagen, auf einer Architektenkonferenz in den USA auf Michael Bloomberg, den Stadtoberen von New York. Jensen, ein höflicher Mensch, beglückwünschte den Amerikaner zu seinem Plan, New York zu einer grünen Metropole umzubauen.

Bloomberg musste aber zugeben, dass die Dänen seiner Stadt immer noch viel voraus haben. Ja, Kopenhagen im alten Europa, sei sogar Vorbild für New York und weitere Metropolen in den USA, die lebenswerter und umweltfreundlicher werden wollen, sagte Bloomberg.

Der New Yorker hat durchaus Recht: Kopenhagen ist auf gutem Weg, einen höchst ehrgeizigen Plan umzusetzen. Nämlich bis 2025 die erste Hauptstadt weltweit zu sein, die klimaneutral ist. Konkret bedeutet das: Kopenhagen stößt nur noch so viel CO2 und andere Klimagase aus, wie sie selbst in Parks und mit Technik binden kann – und dass so viel grüne Energie produziert wird, dass auch das Umland davon profitiert. Damit wäre die Energiebilanz der Stadt sogar positiv. Nebenher will Kopenhagen auch beim Thema Wasserqualität und Müllentsorgung und -vermeidung vorangehen. Bei den Dänen könnten sich also auch deutsche Städte etwas abschauen.

Die größten Baustellen für Metropolen, die ihren CO2-Fußabdruck reduzieren wollen, sind dabei die Energieversorgung, der Energieverbrauch in Gebäuden und der Verkehr. Um in diesen und anderen Bereichen umweltfreundlicher und lebenswerter zu werden, haben sich die Politiker in Kopenhagen einige Leit-Prinzipien in ihre Stadtpläne geschrieben:

1. Alle Einwohner sollen nur fünf bis zehn Minuten Fußweg von einer Grünanlage entfernt wohnen. Schon 2015 soll der Anteil der Kopenhagener mit diesem Luxus bei 90 Prozent liegen. Dafür legen die Stadtgärtner 14 sogenannte „Pocketparks“ an – kleine Grünflächen zwischen den Häusern.

2. Flüsse, Häfen und Strände sollen sauber werden. Schwimmen muss auch im Hafen möglich sein.

Kopenhagen aus der Luft. Foto: Kontrafame

Kopenhagen aus der Luft. Foto: Kontrafame

3. Der öffentliche Nahverkehr muss einfach zu nutzen und effizient sein. Die Anzahl der Nutzer soll bis 2018 im Vergleich mit 2010 fast verdreifacht werden.

4. Die Elektromobilität wird mit Extra-Parkplätzen und Ladestationen gefördert.

5. Fahrradwege müssen ausgebaut werden.

6. Politiker sollen Nachhaltigkeit als einen entscheiden Einfluss begreifen, die Innovation und Wirtschaft der Stadt zu stärken.

7. Außerdem verfolgt Kopenhagen eine Strategie der sechs „Weniger“: Weniger Müll, weniger Lärm, weniger Ärger mit Bus und Bahn, weniger Überflutung durch Regen, weniger Energieverschwendung, weniger Staus und weniger kurzsichtiges Handeln.

100 Kilometer mehr Radwege für grüne Mobilität

So weit, so ambitioniert. Aber was soll in den kommenden Jahren konkret passieren? Einige Maßnahmen, um die Ziele zu erreichen, sind unter anderem die verstärkte Nutzung von Erdwärme für die Heizung, mehr Biomasse-Kraftwerke und Windanlagen für die Stromproduktion. (Die gesamte Roadmap für das 2025-Ziel gibt es hier als PDF)

Außerdem will die Stadt im Zeitraum zwischen 2010 und 2025 durch die Energiesanierung alter Gebäude knapp ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs einsparen. Vor allem die Dächer werden besser gedämmt. Bis 2015 soll außerdem 90 Prozent der Nahrung, die in öffentlichen Gebäuden verkauft wird, aus biologischem Anbau und möglichst aus der Nähe der Stadt stammen.

Hinzu kommt: Schon heute nutzen rund 35 Prozent der Berufstätigen und Schüler Fahrräder, um zur Arbeit oder Unterricht zu kommen. Bis 2025 soll die mit Fahrrädern zurückgelegte Strecke um rund 20 Prozent steigen – durch einen weiteren Ausbau des Radwegenetzes um mehr als 100 auf insgesamt 482 Kilometer und kostenlose Radverleihe. Hinzu kommen extrabreite und teilweise dreispurige Radwege und Grünphasen für Radler.

Insgesamt will die Stadt und die Privatwirtschaft bis 2025 rund drei Milliarden Euro in den grünen Umbau investieren. Ist er einmal gelungen, verspricht Bürgermeister Jensen nicht nur eine insgesamt lebenswertere Metropole, sondern auch monatliche Einsparungen bei den Energiekosten für jeden Haushalt von rund 45 Euro!

Bleibt am Ende die Frage, was deutsche Städte von den Dänen lernen können? Am schwierigsten wird es sein, die Energieversorgung auf ähnliche Weise umzustellen. In Deutschland gibt es kaum Geothermie, die sich im großen Stil nutzen lässt. Städte müssten also stärker auf Solar- und Biomasseenergie setzen und Windparks in der Umgebung.

Andere Maßnahmen wie der Ausbau des Fahrradnetzes, die Förderung der Elektromobilität, die Energiesanierung der Häuser und die Schaffung von Grünflächen wären auch in deutschen Metropolen durchaus umzusetzen. Worauf warten die Stadtoberen in Deutschland also noch?