Bei all dem Elektroauto-Bashing, das in den vergangenen Monaten in Medien und Politik stattfand, sind es beinahe unglaubliche Zahlen: So hat eine aktuelle Umfrage ergeben, dass in Deutschland bis 2020 insgesamt 6,2 Millionen Elektro- und Hybridfahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein könnten – das wären ungefähr 18 Prozent des gesamten Fahrzeugbestandes. Bis 2030 könnte der Anteil auf rund 30 Prozent steigen. Das ist das Ergebnis der zweiten Mobilitäts-Studie, die das Beratungsunternehmen Horváth & Partners in Zusammenarbeit mit dem Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) der EBS Business School durchgeführt hat.
Die Zahlen teilen sich wie folgt auf: Hybridantriebe werden bis 2020 in rund 3,8 Millionen Fahrzeugen verbaut sein. 1,8 Millionen Fahrzeuge werden rein elektrisch unterwegs sein, oder einen Mix aus Tank und Akku haben, der per Kabel geladen wird (sogenannte Plug-In-Hybride). Hinzu kommen 600.000 Fahrzeuge mit Brennstoffzellen-Antrieb.
Befragt wurden für die Studie 280 Unternehmen der Automobil- und Energiewirtschaft sowie deren Zulieferer aus Deutschland, Schweiz und Österreich. Die Befragten sollten unter anderem die Marktverteilung verschiedener Antriebe für das Jahr 2020 abschätzen.
Auch die Studienleiter waren von dem Ergebnis überrascht: „Auch wenn bisher gerade mal knapp über 6.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland verkauft wurden – und dies hauptsächlich an Unternehmen, nicht an Privatpersonen -, so darf nicht der Eindruck entstehen, es gebe in Bezug auf die Elektromobilität wenig Dynamik“, argumentiert der Studienverantwortliche, Horváth-Partner Dr. Oliver Greiner.
Minus für Reichweite, Preis und Ladeinfrastruktur
Sorgenkind Nummer eins bei den Befragten ist immer noch die vergleichsweise geringe Reichweite der Stromer, wobei das für Brennstoffzellenfahrzeuge und Hybrids nicht zutrifft. Als Problem bei diesen Fahrzeugarten werden die noch immer hohen Preise gesehen. So sind Elektroautos und Brennstoffzellenfahrzeuge noch nicht konkurrenzfähig – Hybride wie der Toyota Prius dagegen schon.
Als weiterer Hinderungsgrund für eine größere Verbreitung wird von den Unternehmen auch die fehlende Ladeinfrastruktur gesehen. Vor allem die Energieversorger, so die Befragten, hätten kein Interesse daran eine solche aufzubauen. Mit ihr lässt sich schlicht kein Geld verdienen. Hinzu kommen als Problem die langen Ladezeiten bei den Stromern.
Wie sind die Zahlen nun einzuschätzen? Zuerst einmal muss man festhalten, dass die hohen Zahlen für Hybride und Plug-Ins keine so große Überraschung sind. Diese Fahrzeuge sind heute schon für Käufer attraktiv – weil sie nicht unbedingt mehr kosten als Benziner und weil sie im Strombetrieb deutlich billiger sind als diese. Zudem drängen im kommenden Jahr auch viele deutsche Autobauer mit noch mehr Hybridmodellen auf den Markt, das Angebot wird also größer – die Technik etabliert sich.
Wie glaubwürdig sind die Boom-Zahlen?
Bleiben die Zahlen für reine Stromer und Wasserstoffautos. Deren durchaus hohe Verbreitung könnte einerseits mit dem Wunschdenken bei den befragten Unternehmen zusammenhängen. Die Hälfte von ihnen steht mit diesen Techniken laut der Studie kurz vor der Markteinführung.
Durchaus begründet ist wohl die Hoffnung, dass sich E-Autos zuerst als Zweitwagen durchsetzen. Dabei spielt die geringe Reichweite eine untergeordnete Rolle. Auch die zunehmende Verbreitung von Carsharing könnte die Verkaufszahlen von Stromern nach oben treiben – auch hier werden vor allem kurze Strecken in der Stadt zurückgelegt.
Am Ende sind da noch die Fuhrparks von Unternehmen: Mehr als 1,5 Millionen Autos wurden 2012 als Dienstwagen in Deutschland zugelassen. Noch sind dies meist dicke Bertas auf vier Rädern und Spritschlucker. Aber auch Unternehmen entwickeln zunehmend ein ökologisches Gewissen, auch wenn es teilweise nur zur Imagepflege ist. Würden die Unternehmen ihren Fuhrpark zu einem Drittel mit Elektrofahrzeugen bestücken, wären mehr als Hälfte der sechs Millionen E-Fahrzeuge bis 2020 schon geschafft.





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Oliver Schimming
Die Elektromobilität sollte in Deutschland viel stärker auf Kosten der Förderung fossiler Brennstoffe und Atomkraft gefördert werden. Wer im Anzeichen der Verknappung der fossilen Brennstoffe immer noch darauf setzt, sollte sich einmal fragen, ob er noch zeitgemäß agiert.
Skarrin
Die “langen Ladezeiten” bei E-Autos sind entweder egal wenn das Fahrzeug sowieso über Nacht oder während der Arbeitszeit einige Stunden steht, oder reduzieren sich an bereits heute vorhandenen Schnellladestationen auf 15-30 Minuten.
Die meisten derjenigen, die sich bereitsein E-Auto als “Zweitwagen” zugelegt haben, haben schnell festgestellt dass es zum Erstwagen mutiert, und der Verbrenner hauptsächlich rumsteht und Rost ansetzt.
Etwas anderes ist bei den noch hohen Kaufpreisen auch gar nicht sinnvoll, denn E-Autos sparen nur wenn sie statt einem Verbrenner gefahren werden.
Was Wasserstoffautos betrifft, so ist meine Prognose dass sie auch 2020 noch “in 5 Jahren serienreif” sein werden – wie in den letzten 30-40 Jahren.