Für Lars Thomsen ist die Autoindustrie eine Pfanne voll Mais auf offener Flamme. Minutenlang passiert nichts, wenn aber das Öl eine Temperatur von 163 Grad erreicht, geht alles ganz fix: der Mais wird sekundenschell zu Popcorn. Diese Wandlung macht gerade auch die Autoindustrie durch: von konventionellen Antrieben hin zu Elektroautos.

Und das erste Maiskorn, so der Zukunftsforscher, ist bereits aufgegangen: Der Erfolg von Tesla markiere den Beginn einer unumkehrbaren Trendwende. „Die Automobilindustrie verändert sich derzeit mehr als in den vergangenen 50 Jahren“, sagt Thomsen auf einer Konferenz für Elektromobilität im Oktober (einen Mitschnitt des Vortrags sehen Sie unter dem Beitrag).

Thomsen hat es sich zur Aufgabe gemacht, sogenannte Tipping-Points vorherzusagen. Also Punkte, an denen sich ganze Industriezweige für immer verändern. Sie können Konzerne in den Ruin treiben, wenn diese sie verschlafen. Das ließ sich zum Beispiel auf dem Handymarkt beobachten, als der einstige Marktführer Nokia seine Mobilfunksparte an Microsoft verscherbelte. Oder an den Pleiten der deutschen Fernsehhersteller, die den Trend zum Flachbildschirm verpassten. Oder beim analogen Bilder-King-Kong Kodak, der durch die digitale Fotografie schlicht überflüssig wurde.

“Viele Industrien haben sich in der Vergangenheit eingeredet, dass sich eine Technologie nie durchsetzt, die Konsumenten sie nicht wollen und man unanfechtbar ist”, sagt Thomsen. Doch die Skepsis von heute könne schnell die Pleite von morgen bedeuten. Genau an einem solchen Punkt stehe nun die Autoindustrie.

Preissturz bei Akkus

Hersteller wie Nissan, BMW und Tesla forschen und entwickeln schon seit Jahren an E-Auto-Technik, während Daimler, Toyota und Volkswagen immer noch auf den guten, alten Verbrennungsmotor setzen (wenn auch als Hybrid). Das könnte sich bald bitter rächen. „Bereits 2016 wird die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren massiv zurückgehen“, prophezeit Thomsen.

Zwei wesentliche Probleme der Stromer (Preis und Reichweite) sieht Thomsen dann ausgeräumt – dank rasantem technologischen Fortschritt und fallenden Preisen. Eine Batterie würde dann nur noch 120 Dollar pro Kilowattstunde kosten. Tesla verbaut derzeit noch zu einem Preis von 200 Dollar. Außerdem gäbe es 2016 deutlich mehr E-Tankstellen – in diesen Wochen stellt Tesla erste sogenannte Supercharger in Deutschland auf, BMW baut ebenfalls Autosteckdosen.

Ein konventioneller Antrieb hätte dann, so Thomsen, schlicht keine Vorteile mehr. Ähnlich wie die analoge Fotografie, der Röhrenmonitor und das Tastenhandy hätte sich die Technologie innerhalb weniger Jahre überholt. Solche Prognosen sind natürlich eher gewagt als wissenschaftlich durchkalkuliert. Doch Anzeichen für einen Umschwung gibt es zu Hauf.

In Nordamerika verkauft Tesla im hochpreisigen Segment mehr Autos als die Konkurrenz. 10.100 Autos der Marke haben dort im ersten Halbjahr 2013 Abnehmer gefunden. Zum Vergleich: Mercedes verkaufte nur knappp über 6.000 Modelle der S-Klasse, Audi nur 3600 Exemplare seiner Limousine A8. Und in Norwegen steht Tesla erstmals an der Spitze der Neuzulassungen, noch vor dem VW Golf. Grund dafür sind aber auch massive Steuererleichterungen für die Stromer.

Bald ein Auto von Samsung?

Dieser Erfolg wird sich in den kommenden Jahren enorm beschleunigen, glaubt Thomsen. Der Markt wäre dann so attraktiv, dass drei bis vier neue Autohersteller mitmischen, mit denen noch keiner rechnet. Elektronikkonzerne wie LG und Samsung könnten in die Mobilwelt einsteigen, die zwar keine Ahnung von komplexen Verbrennungsmotoren haben, allerdings über genügend Know-How im Bereich Batterien und Elektronik verfügen.

Schon 2015 könnten Elektrofahrzeuge so einen Marktanteil von fünf Prozent erreichen. Und 2016 würde die Nachfrage nach Benzinern massiv einbrechen – übrigens auch nach Hybridautos, deren Ende er für 2018 vorhersagt.

Die gerade verschobene Anhebung der CO2-Grenzwerte für Autohersteller in der EU erschiene in der Rückschau dann obsolet. Denn schadstoffreiche Autoflotten hätten nach Thomsens Prognosen sowieso keine Zukunft.

Sehen Sie hier den Vortrag von Thomsen in voller Länge: