Alfred Jost, CEO des Fotovoltaikunternehmens Solar Bankers aus Gilbert in Arizona, hat einen derzeit noch ziemlich unwahrscheinlichen Plan: Er will die deutsche Solarindustrie wiederbeleben. Seit Monaten reihen sich in Deutschland die Insolvenzen in der Branche. Kürzlich ist auch der langjährige Branchenprimus Solarworld in Schwierigkeiten geraten.

Den Negativtrend will Jost jetzt umkehren. Gelingen soll das mit einem neuen Solarmodul auf Siliziumbasis. Das Besondere daran: die Zellen haben einen Wirkungsgrad von bis zu 28 Prozent – die besten Siliziummodule kommen heute auf knapp 20 Prozent.

Die deutliche Verbesserung schafft Jost, der viele Jahre als Leiter des Bereiches Produktentwicklung und Finanzierungsstrukturen bei J.P. Morgan tätig war, durch eine 30- bis 50-fache Konzentration den Sonnenlichts auf eine winzige Siliziumzelle. Als Konzentrator, und das ist das Geheimnis seines Erfolgs, nimmt er eine selbst entwickelte holographische Folie mit einer speziellen Eigenschaft. Sie blendet die Wärmestrahlen der Sonne aus und lenkt nur das sichtbare Licht, das die Stromproduktion auslöst, auf die Zelle. Sie funktioniert also wie eine Art Lichtsieb.

Heute übliche Konzentrator-Solarzellen arbeiten mit Fresnel-Linsen, die alle Spektren des Sonnenlichts, auch die Wärmestrahlen, auf einen Punkt konzentrieren. Dort befindet sich eine sehr teure, für die Raumfahrt entwickelte Zelle, die, anders als Silizium, unempfindlich ist gegen Wärme. Die teure Technik erreicht einen Wirkungsgrad von nahezu 40 Prozent. Konkurrenzfähig ist sie dennoch nicht.

Einen hohen Wirkungsgrad meint Jost jetzt mit einer viel günstigeren Methode erreichen zu können – nämlich mit seiner Folie. Außerdem soll der Silizium-Materialaufwand um rund 90 Prozent sinken. Die Kombination holographische Folie und Siliziumzelle lässt sich somit, glaubt Jost, in Deutschland billiger herstellen als konventionelle Siliziumzellen in China. Gerade ist er mit seinem Dresdner Partenerunternehmen Apollon Solar auf der Suche nach einer geeigneten Produktionsstätte in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Dort stehen einstige Solarzellenfabriken leer, nachdem sie wegen der kostengünstigen Produktion in China nicht mehr konkurrenzfähig waren. Jost will mehr als 500 Arbeitsplätze schaffen.

Einen Nachteil haben seine Zellen allerdings, die bisher nur als Labormuster existieren: Ihren hohen Wirkungsgrad erreichen sie nur bei ungehinderter Sonneneinstrahlung. Schon Schleierwolken und Dunst lassen ihn drastisch einbrechen. Bei konventionellen Solarzellen ist der Rückgang bei weitem nicht so groß. Deshalb hofft Jost, vor allem auf Käufer in Ländern mit zuverlässig blauem Himmel. In Saudi-Arabien etwa, wo er seine Entwicklung kürzlich präsentierte. „Die waren begeistert“, sagt er.