Von Dr. Bradnee Chambers. Der Autor leitet als Exekutivsekretär das “Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten” (UNEP) der Vereinten Nationen in Bonn.

Die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) ist Teil des Netzwerkes internationaler Abkommen, die sich mit dem Schutz der Umwelt befassen. Ende letzten Jahres hat im australischen Hobart die 32. Konferenz der Mitgliedstaaten stattgefunden. CCAMLR wurde 1982 gegründet mit dem Ziel, die marine Fauna der Antarktis und insbesondere deren Krillvorkommen zu schützen. Als Krill werden Kleinkrebse bezeichnet, die sich von Phyto- und Zooplankton ernähren und selbst Hauptbestandteil der Diät von Walen, Robben, Seevögeln, Fischen und Weichtieren sind.

Krill spielt daher eine zentrale Rolle im marinen Ökosystem der Antarktis, wird jedoch auch für kommerzielle Zwecke genutzt. In einigen Ländern wird Krill zum menschlichen Verzehr verwendet, hauptsächlich dient es aber als Futtermittel in der Aquakultur-Industrie.

Da die winzigen Krebse durch die Strömungen in alle Meere des Planeten verbreitet werden, kommt den antarktischen Krillvorkommen eine fundamentale Bedeutung als Basis globaler mariner Nahrungskette zu. Aufgabe von CCAMLR ist es, eine nachhaltige Entnahme dieser Ressource zu gewährleisten.

Die 35 Mitgliedstaaten der Kommission verhandelten bei ihrer Konferenz im November über zwei bedeutende Anträge, mit dem Ziel, zwei Meeresschutzgebiete in antarktischen Gewässen zu etablieren, welche weltweit alle bisherigen an Größe übertreffen würden.

(Copyright: Peter Prokosch / Grida)

(Copyright: Peter Prokosch / Grida / www.grida.no)

Reichen Konferenzen für den Umweltschutz?

Beide Gebiete würden jeweils eine Millionen Quadratmeter überschreiten und zusammen ein Gebiet umfassen, dass größer wäre als das von Algerien, Argentinien oder Kasachstan, fünf mal so groß wie Frankreich, oder ein Drittel der Größe von Australiens.

Eines der Gebiete, im Bereich des Rossmeeres, wurde von den USA und Neuseeland vorgeschlagen, während ein weiteres Gebiet, in der Ost-Antarktis, von Australien, Frankreich und der EU befürwortet wurde. Beide Anträge wurden jedoch von der Konferenz abgelehnt, da die Befürworter es nicht schafften, im Namen des Umweltschutzes, skeptische Nationen von der Aufgabe der Fischerei in diesen Gebieten zu überzeugen. CCAMLR agiert durch Konsensentscheid wodurch eine abweichende Meinung genügt, um Entscheidungen durch ein Veto zu blockieren.

Der Antarktis-Tourismus nimmt jedes Jahr zu. Besuchten im Jahr 2000 noch knapp 15.000 Menschen die Gegend waren es 2010 schon doppelt so viele.  (Copyright: Peter Prokosch / Grida)

Der Antarktis-Tourismus nimmt jedes Jahr zu. Besuchten im Jahr 2000 noch knapp 15.000 Menschen die Gegend waren es 2010 schon mehr als doppelt so viele. (Copyright: Peter Prokosch / Grida / www.grida.no)

Einige Konferenzteilnehmer zeigten sich dennoch optimistisch und überzeugt, dass genügend Fortschritte gemacht worden seien, um bei der nächsten Versammlung Ende diesen Jahres der Kommission schließlich den Durchbruch für die Schutzgebiete zu schaffen.

Zahlreiche Umweltverbände, darunter der Pew Environment Group und Greenpeace, brachten jedoch ihre Enttäuschung und zunehmende Frustration zum Ausdruck und warfen der kleinen Minorität von Ländern, welche gegen die Schutzanträge gestimmt hatten, Blockadepolitik vor und kurzsichtiges Handel im eigenen nationalen Interesse.

Eine Elephanten-Robbe. Die Tiere können eine Größe von fast sechs Metern erreichen. (Copyright: Peter Prokosch / Grida)

Eine Elephanten-Robbe. Die Tiere können eine Größe von fast sechs Metern erreichen. (Copyright: Peter Prokosch / Grida / www.grida.no)

Was sich aber mit Sicherheit sagen lässt: Es wird Zeit für einen neuen Anlauf zum Schutz der Arktis. Die Gründe dafür sind einfach:

Das Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden, wild-lebenden Tierarten (auch bekannt als CMS oder Bonner Konvention) wurde in den späten 1970ern ausgehandelt und ist 1983 in Kraft getreten und demnach so alt wie CCAMLR. Für CMS ist die Antarktis von sehr großer Bedeutung, weil er den Lebensraum darstellt, für den Lebenszyklus zahlreicher bedrohter Arten, die von CMS geschützt werden.

Widerstreitende Interessen

Hierzu zählen Wale, Albatrosse, Sturmvögel und die Küstenseeschwalbe. Letztere bewältigt eine der herausfordernsten Wanderungen im Tierreich, indem sie jedes Jahr zwischen den nördlichen und südlichen Polargebieten (ca. 19.000 Kilometer oder 12.000 Meilen Zugweg) einmal hin und wieder zurückfliegt. Daher sind die Ergebnisse der CCAMLR-Beratungen von herausragender Bedeutung für die Artenschutzziele von CMS.

Überreste einer norwegischen Walfangstation (Copyright: Peter Prokosch / Grida)

Überreste einer norwegischen Walfangstation (Copyright: Peter Prokosch / Grida / www.grida.no)

Viele der Mitgliedsländer von CCAMLR sind gleichzeitig auch Vertragsstaaten von CMS. Ihnen ist daher bewusst, welch schwierige Herausforderung es ist, das empfindliche Gleichgewicht unter dem Druck von gegensätzlichen Forderungen zu halten.

Bei derzeit über sieben Milliarden Menschen, die ernährt werden müssen, sind die Meere eine unverzichtbare Proteinquelle. Die Fischereiindustrie bietet eine Lebensgrundlage für viele, allerdings hängen Anbieter von Walbeobachtung, der Handel mit Guano und viele andere Betreiber und Wirtschaftszweige von wildlebenden Tieren und einer Umwelt ab.

Schon in prähistorischen Zeiten, haben Menschen ihre natürlichen Ressourcen, Tiere, Pflanzen und Mineralien genutzt. Allerdings hat die Nachfrage und der wachsende Appetit nach unseren natürlichen Ressourcen in der heutigen Zeit einen Stand erreicht, der von der Erde kaum noch zu bewältigen ist.

(Copyright: Peter Prokosch / Grida)

(Copyright: Peter Prokosch / Grida / www.grida.no)

Während zwölf Männer den Mond in 400.000 km Entfernung von der Erde betreten haben, ist es nur bisher nur vier Menschen gelungen, den Grund der Ozeane in bis zu 11 km Tiefe zu erkunden. Es gibt immer noch so vieles, was wir über unseren eigenen Planeten nicht wissen, aber es ist eindeutig, dass die Antarktis eine Schlüsselregion zur Erhaltung des Lebens auf unserer Erde darstellt, für Mensch wie auch für Tier.

Es sollte das Ziel der internationalen Foren und Organisationen sein, einen Kurs einzuschlagen, der uns eine Zukunft für die kommenden Generationen garantiert. Die Problembereiche sind sehr kompliziert und die Verhandlungen äußerst anspruchsvoll, doch es muss endlich gehandelt werden. Zeit – wie auch der Krill – ist eine begrenzte Ressource.