Sie sollen einmal das Ruder in Wirtschaft und Politik übernehmen, doch machen sich keinerlei Gedanken über die Welt von morgen. Abiturienten, Studenten, junge Berufstätige – viele sehen sich immer wieder mit diesem Vorwurf konfrontiert. Oft zu unrecht. Einen Beweis dafür liefert eine Gruppe von 50 jungen Menschen zwischen 18 und 33 Jahren.

Mit einem Impulspapier wollen sie Wirtschaft und Politik zum Umdenken bringen und legen dafür konkrete Lösungsvorschläge vor. Entstanden sind diese Ideen und Konzepte während einer Jugendkonferenz im Februar, zu der der Rat für Nachhaltige Entwicklung und die Bertelsmann Stiftung eingeladen hatten.

Die Ergebnisse präsentierten die jungen Leute auch auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am vergangenen Montag. Dabei geht es um die fünf Themenbereiche Wachstum, Konsum, digitale Gesellschaft und Nachhaltigkeit, Bildung und Energiewende. „Wir fordern eine zeitnahe Umsetzung unserer Leitideen, damit nicht nur wir, sondern auch die nachfolgenden Generationen ein selbstbestimmtes Leben nach ihren Vorstellungen führen können“, heißt es im Impulspapier.

Ideen für ein nachhaltiges Wachstum

Ethische Geldanlage: Öffentliche Gelder sollen bei nachhaltig wirtschaftenden Banken angelegt werden. Dafür wünscht sich die Jugendkonferenz auch eine Art Ethikrat, der dem Finanzministerium als Beratung zu Seite steht.

Steuerreform: Steuern sollen nachhaltiges Wirtschaften begünstigen, sowie nachhaltige Produkte und Lebensstile fördern.

Wissensaustausch: Damit sich mehr (junge) Leute mit ihren Ideen zu nachhaltigem Wirtschaften und technischen Lösungen am Austausch beteiligen, wünschen sich die Impulsgeber eine Online-Plattform ähnlich wie Facebook, die alle Vorschläge zusammenträgt.

Ideen für einen nachhaltigen Konsum

Ziel soll sein, dass Käufer ein Produkt sofort auf seine Nachhaltigkeit hin einschätzen können. Dafür müsse jede Ware mit einem entsprechenden Symbol gekennzeichnet werden, zum Beispiel als „Ampel“-Kennzeichnung mit unterschiedlichen Stufen.

Hintergrund für das Label soll eine Datenbank sein, in der eine Bundesagentur alle Informationen zu einem Produkt zusammenstellt. Die Öffentlichkeit soll darauf kostenlos zugreifen können.

Damit Hersteller ihre Daten auch herausgeben, fordern die Impulsgeber von der Politik ein Transparenzgesetz.

Ideen für eine nachhaltige digitale Gesellschaft

Wer moderne Kommunikationsmittel nutzt, soll sich auch über die dafür benötigten knappen und strategischen Ressourcen Gedanken machen. Anreiz dafür soll ein Pfandsystem sein, mit dem elektronische Unterhaltungs- und Kommunikationsgeräte wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden, anstatt in Müllverbrennungsanlagen oder auf illegalen Müllkippen zu landen.

Mit dem Pfandsystem soll jeder Käufer einen zusätzlichen Betrag bezahlen, den er erst bei Rückgabe seines Geräts erstattet bekommt. Außerdem soll beim Kauf die Seriennummer des Geräts und der Name des Käufers abgespeichert werden, damit kein Dritter ein Gerät unerlaubt zurückbringen und den Pfand kassieren kann.

Hersteller müssten außerdem in Zukunft stärker auf die Recyclingfähigkeit ihrer Produkte achten, zum Beispiel auf Kleber verzichten, der eine Trennung der einzelnen Teile am Ende unmöglich macht.

Ideen für eine nachhaltige schulische Bildung

Es sei unglaublich, dass das Thema Nachhaltigkeit so gut wie gar nicht im Lehrplan an Schulen und in der Ausbildung von Lehrern vorkomme, sagten die Vertreter der Impulsgeber auf der Konferenz des Nachhaltigkeitsrates am vergangenen Montag. Deshalb müssten schnellstmöglich die Inhalte der Lehreraus- und fortbildungen überarbeitet sowie das Lehrmaterial neu aufgesetzt werden.

Zudem brauche jede Schule einen „Nachhaltigkeitsfahrplan“, um sich den alltäglichen Fragen zum Thema zu stellen. Die Verantwortung dafür liege beim Bund und den Kultusministerien der Länder.

Ideen für eine nachhaltige Energiewende

Energie-O-Mat: In Anlehnung an den Wahl-O-Mat sollen Bund und Länder einen Entscheidungshelfer einrichten, der beim energetischen Ausbau der Haushalte und bei einer persönlichen Neuausrichtung hilft. So zum Beispiel Tipps zum Stromsparen gibt. Das Angebot soll als Website und als App zur Verfügung stehen.

Stadtteile als Labor: Damit die Akzeptanz in der Gesellschaft für die Energiewende steigt, sollen Städte oder Gemeinden einen Teil ihrer Fläche zu einem Vorzeigemodell machen. Grundlage dafür könnten wissenschaftliche Studien sein.

Informationsstellen: Eine multimediale Plattform soll neue Technologien und nachhaltige Lebensentwürfe präsentieren. Dies könnten zum Beispiel auch mithilfe einer „Erneuerbare-Energien-Telenovela“ verbreitet werden.