Von Jutta Deffner. Die Raum- und Umweltplanerin leitet den Forschungsschwerpunkt Mobilität und Urbane Räume am Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt.

Elektrofahrzeuge gelten Vielen als das Allheilmittel, wenn es um nachhaltige Mobilität geht. Doch so einfach ist das nicht. Steckdose statt Tankstelle ist nur dann ein echter Gewinn für das Klima, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Außerdem ist die Nachfrage bei Privatkunden derzeit noch verhalten.

Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund die Tatsache, dass 45 Prozent aller zugelassenen Elektrofahrzeuge in Deutschland in Fuhrparks zu finden sind. Planbare Standzeiten und ein professionelles Flottenmanagement machen Elektroautos hier zu einer echten Alternative zum „Verbrenner“.

Denn gewerbliche PKW stellen heute bei den Neuzulassungen in Deutschland den größten Anteil dar. Eine Untersuchung des Öko-Instituts zeigt, dass durch den Einsatz von Elektro-Flotten inklusive Plug-In-Hybridfahrzeuge bis 2030 etwa 40 Prozent der entstehenden Treibhausgas-Emissionen von Dienstwagen vermieden werden können.

Doch wie zufrieden sind die Nutzer der Elektrofahrzeuge? Denn nur, wenn sie überzeugt sind, hat E-Mobilität auch über die Nische Fuhrpark hinaus in Deutschland eine echte Chance.

Elektroauto als Firmen- und Dienstwagen – ein Experiment

Um das herauszufinden, haben im vergangenen Jahr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SAP AG in dem Projekt „Future Fleet“ rund um den Standort Walldorf 27 Elektroautos als Firmen- und Dienstwagen getestet. Über einen Zeitraum von sechs Monaten konnten Mitarbeiter die Fahrzeuge für dienstliche und private Fahrten nutzen. Mehr als 100.000 Kilometer wurden zurückgelegt. Das Frankfurter ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung begleitete das Projekt.

Und das sind die Ergebnisse: 78 Prozent der Nutzer waren zufrieden bis sehr zufrieden mit den Elektroautos. 85 Prozent waren der Meinung, dass Elektrofahrzeuge zukunftsweisend sind. Vor allem aber: die Elektro-Dienstwagen haben ein positives Image. Neun von zehn der Befragten bestätigten dies. Das ist bemerkenswert, denn die meisten hatten zu Beginn des Flottenversuchs keine konkreten Vorstellungen über die Eigenschaften der „Stromer“.

Nach dem Test kann sich rund ein Fünftel der Befragten vorstellen, ein solches Fahrzeug in den nächsten drei Jahren anzuschaffen bzw. bei der nächsten Dienstfahrt zu nutzen. Und noch ein weiteres Ergebnis ist interessant: Das E-Auto empfinden viele als Privileg und haben Spaß am Fahren. Damit erhöht sich der Anreiz, solche Fahrzeuge auch im privaten Alltag auszuprobieren.

Natürlich können Mitarbeiter nicht alle Dienstfahrten „elektrisch“ zurückgelegen. Aber wer mit dem Auto täglich pendelt oder es für dienstliche Fahrten nutzt, hat meist eine vorhersehbare Strecke und in den Abend- und Nachtstunden ausreichend lange Standzeiten, die zum Laden reichen. Diese Gründe sprechen für den Einsatz von E-Fahrzeugen in den Fuhrparks.

Die Zufriedenheit mit den Stromern ist hoch, die Preise auch

Als größte Barriere hingegen erwies sich die eingeschränkte Reichweite. Sie lag bei dem genutzten Auto-Modell bei rund 100 km. Diese Schwäche können die Nutzer jedoch über vernetzte Angebote wie Abos für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr kompensieren oder auch Poolfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, Bike Sharing sowie Apps zum Auffinden der nächsten Lademöglichkeiten. Ein Drittel der Befragten würde solche Angebote nutzen.

Ladestellen in den Unternehmen oder bei öffentlichen Arbeitgebern können zudem die Akzeptanz erheblich verbessern. Sie wären viel besser ausgelastet, als aufwendig zu errichtende Ladesäulen im öffentlichen Raum.

Auch der deutlich höhere Anschaffungspreis ist aus Sicht der Befragten eine Hürde. Hierzu zählt auch die Besteuerung der privaten Nutzung von Dienstwagen. Dadurch ist es für Elektro-Pioniere derzeit deutlich teurer, wenn sie einen Elektro-Firmenwagen bestellen. Doch genau das könnte sich durch eine geplante Gesetzesänderung bald ändern.

Der Nutzen für die Unternehmen liegt jedoch nicht nur in der Reduktion des ökologischen Fußabdrucks. Elektroflotten stärken zudem das Innovations- und Nachhaltigkeitsimage eines Unternehmens.

Unternehmen sollten daher den Schritt von einer Firmenwagen-Politik hin zu einer Mobilitäts-Politik wagen! Wird das E-Auto intelligent mit allen Verkehrsträgern vernetzt, können Unternehmen ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen einen unkomplizierten, nachhaltigen Mobilitätsmix ermöglichen.