Für manche Regionen in Europa hat der Klimawandel schon jetzt dramatische Folgen. So sind seit 1950 die Temperaturen an den heißesten Sommertagen in Südengland, Nordfrankreich und Dänemark viermal stärker gestiegen als die Temperaturen im globalen Durchschnitt.

Konkret entspricht das an den betroffenen Tagen einem Anstieg von mehr als zwei Grad Celsius und es bedeutet: Hitzewellen verstärken sich durch den Klimawandel noch.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Grantham Research Institute on Climate Change (GRI) und der University of Warwick. Dabei nutzten die Forscher Daten von 2316 europäischen Wetterstationen aus den Jahren zwischen 1950 und 2011.

Starke Veränderungen sind auch in Teilen Deutschlands zu spüren. So etwa in Westdeutschland, wo – wie in Belgien und Ostfrankreich – die Temperaturen der kältesten Winternächte um bis zu 2,5 Grad Celsius angestiegen sind.

In Süddeutschland und Südfrankreich haben sich hingegen die normal temperierten Sommertage europaweit am meisten erwärmt.

„Meistens wird nur in globalen Durchschnittstemperaturen über die Erderwärmung gesprochen. Aber die können sehr weit von den tatsächlichen Empfindungen der Menschen abweichen“, sagt Sandra Chapman, Professorin an der University of Warwick und eine der Autorinnen der Studie. „Unsere Studie zeigt die lokalen Klimaveränderungen in Europa.

Während in manchen Regionen, wie etwa weiten Teilen Norwegens und Schwedens, nur leichte Veränderungen in den Sommertemperaturen festzustellen waren, trifft die Erderwärmung zu dieser Jahreszeit andere Regionen umso krasser.

Gesellschaft muss sich auf Klimawandel einstellen

Im Winter kann es dann schon wieder ganz anders aussehen. Auch in den beiden skandinavischen Ländern etwa sind die nächtlichen Temperaturen in den letzten Jahrzehnten um mehr als zwei Grad enorm angestiegen.

Mit ihrer Studie, die unter dem Titel „Mapping climate change in European temperature distributions“ (hier als PDF) im Fachmagazin Environmental Research Letters erschienen ist, hoffen die Wissenschaftler unter anderem zu einer besseren Planung druch Regierungen und allgemein der Gesellschaft beizutragen. Diese sollten den Klimawandel schon jetzt berücksichtigen.

„Wir müssen Gebäude so gestalten, dass sie nicht überhitzen, entscheiden welche Pflanzen man wo am besten anbaut und sogar schauen, welche Industrieproduktionen an welchem Ort am besten geeignet sind“, sagt der leitende Autor der Studie David Stainforth.

Welchen Einfluss das Klima auf Wetterlagen hat, zeigte erst kürzlich eine Studie (hier als PDF) von 18 Forscherteams der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration. Bei sechs von zwölf betrachteten Extremwetterlagen aus dem Jahr 2012 konnte nachgewiesen werden, dass sich der Klimawandel auf die Stärke der Ereignisse ausgewirkt hat. So etwa bei einer außergewöhnlichen Hitzewelle im Osten der USA.

Aber alle Extremwetter können die Forscher auf dem Klimawandel zurückführen: So gibt es beispielsweise für den verheerenden Hurrikan Sandy, der New York verwüstete, keine solchen Beweise.

In einem Video erklären die Autoren der Studie „Mapping climate change in European temperature distributions“ ihre Untersuchungen:

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