Der dritte Teil des Weltklimaberichts, der vor einigen Tagen in Berlin veröffentlicht wurde, ist ein flammendes Plädoyer dafür, mehr saubere Technologien einzusetzen. Die Empfehlungen reichen von Solaranlagen, Windkrafträdern, Erdwärme, Wasserkraft, sauberen Kohle- und Gaskraftwerken, die ihr CO2 einfangen bis hin zur Bioenergie und – Atomkraft.

Ohne einen Einsatz von allen der genannten Technologien sei die Erderwärmung nicht mehr aufzuhalten, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, der deutsche Ökonom Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Atomkraft also. Zwar gibt es mittlerweile prominente Klimaschützer wie den Amerikaner James Hansen, der für die Atomkraft als klimafreundliche Art der Energieversorgung wirbt. Die meisten Grünen hierzulande halten das aber eher für die Austreibung des Teufels mit dem Belzebub.

Kosten für Klimaschutz bisher nicht geklärt

Dennoch: Atomkraft ist tatsächlich eine der klimafreundlichsten Arten der Energieversorgung, sogar mehr als es die Solarkraft ist (Statistiken hier und hier als PDF). Ein Problem bleibt natürlich der Müll und die Sicherheit der Meiler – sprich, klimafreundlich ist die Atomkraft, ob sie auch umweltfreundlich ist, ist die andere Frage.

CO2-Bilanz der verschiedenen Energieformen. Am besten schneiden Solarthermie, Wasser-, Wind- und Atomkraft ab. (Quelle: VDI)

CO2-Bilanz der verschiedenen Energieformen. Am besten schneiden Solarthermie, Wasser-, Wind- und Atomkraft ab. (Quelle: VDI)

Aber was ist eigentlich mit den Kosten? Genau diese Frage haben sich jetzt die Experten des Berliner Think-Tanks Agora Energiewende in einer Untersuchung gestellt. Ihre Antwort: Die günstigste Art der CO2-Vermeidung im Energiesektor sind Wind- und Solaranlagen.

Selbst mit Reservekraftwerken sind Erneuerbare billiger

„Neue Wind- und Solarstromanlagen können Strom um bis zu 50 Prozent günstiger herstellen als neue Atomkraftwerke“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. So seien etwa die Vergütungssätze für Solaranlagen in Deutschland alleine in den vergangenen fünf Jahren um etwa 80 Prozent gefallen.

Die Analysen basieren auf den Vergütungssätzen für neue Atomkraftwerke in England sowie auf den Vergütungssätzen für neue Ökostromanlagen gemäß dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz in Deutschland (bei WiWo Green hatten wir über die Preisdiffenrenz schon im vergangenen August berichtet).

Wichtig: Neben den Kosten der reinen Erzeugung von Kilowattstunden wurden in der Studie auch die Kosten für ein Stromerzeugungssystem abgeschätzt, in dem die wetterabhängige Einspeisung aus Wind- und Sonne durch gasbetriebene Reservekraftwerke ausgeglichen wird.

Aber auch eine Stromversorgung, die auf Atomkraft basiert, braucht zusätzlich Gaskraftwerke, um die sprunghafte Nachfrage von Verbrauchern zu decken. Die CO2-Bilanz ist in beiden Szenarien (Erneuerbare plus Gas, Atom plus Gas) gleich.

Dabei zeigt sich, dass eine verlässliche Stromversorgung durch Wind- und Sonnenkraftwerke kombiniert mit Gaskraftwerken um 20 Prozent günstiger ist als eine Stromversorgung, die auf Atomkraft und Gaskraftwerken basiert.