Nun sind sie also auf dem Tisch: Die Maßnahmen, mit denen die Regierung die steigenden Preise für die Energiewende kontern will. Umweltminister Peter Altmaier und Wirtschaftsminister Philipp Rösler haben sich darauf geeinigt, die Ökostrom-Umlage bis 2014 einzufrieren, danach soll sie nur noch in homöopathischen Dosen von 2,5 Prozent pro Jahr steigen. Schön könnte man denken, denn davon profitieren Verbraucher und Wirtschaft gleichermaßen.
Aber etwas ganz anderes ist richtig: Die Vorschläge sind ein Armutszeugnis für den Umgang der Politik beim Ausbau der grünen Energie. Ihr Handeln hat zu Fehlplanungen, Preisexplosionen und Unsicherheit bei den Investoren geführt. Kurz, die Regierung bringt das Jahrhundertprojekt Energiewende in Misskredit.
Um zu verstehen, warum heute in Sachen Energiewende so viel schief läuft, muss man zurück ins Jahr 2000 schauen. Rot-grün unter Gerhard Schröder lenkte damals die Geschicke des Landes und Expertengruppen arbeiteten daran, wie Deutschland auf erneuerbare Energien aus Wind, Sonne und Biomasse umsteigen könne. Weg von Öl, Gas und Kohle lautete die Devise – und natürlich vom Restrisiko Atomkraft.
Die Gründe von damals für die Energiewende gelten auch heute noch: Die Endlichkeit der fossilen Ressourcen und der drohende Klimawandel. Diese Probleme sind sogar noch drängender geworden, gerade wegen des Booms bei Öl und Gas in den USA.
Die zentrale Frage damals: Wie fördern wir die erneuerbaren Energien so, dass sie wettbewerbsfähig zur konventionellen Strom- und Energieversorgung werden? Die zwei zentralen Antworten: Mit festgelegten Strompreisen und mit einer grünen Welle im Stromnetz. Billiger Kohlestrom durfte also nicht in die Leitungen, wenn mittags teurere Solarenergie von den Hausdächern kam. Wind und Sonne haben außer in Notsituationen im Stromnetz immer Vorfahrt, bis heute. Das schrieb damals mit großer Zustimmung im Parlament die Regierung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fest.
Goldgrube für die einen, Milliardengrab für die anderen
Ohne Zweifel: Die Maßnahmen waren richtig. Nur ihre Nebenwirkungen hat die Politik bis heute ignoriert – und vielleicht nicht einmal verstanden. Jedenfalls legen das die Vorschläge von Altmaier und Rösler nahe. Noch einmal zurück zum EEG:
Einer der Geburtsfehler der Energiewende war, dass die Regierung die Preise für Solarstrom – und in geringerem Ausmaß auch für Windstrom – utopisch hoch ansetzte. So wurde eine Kilowattstunde Sonnenenergie vor 13 Jahren mit knapp 50 Cent vergütet. Zwar sank der garantierte Preis in den folgenden Jahren um jeweils fünf Prozent. Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass Fotovoltaik-Strom das neue Gold war.
Diese Fakten sind zwar bekannt, die Ursachen dafür aber weniger.
Schon im Jahr 2000 wiesen Experten und Ökonomen wie der Energie-Sachverständige Olav Hohmeyer darauf hin, dass die Vergütung völlig übertrieben sei. Das Problem: Die Regierung hatte die Hersteller von Solaranlagen gefragt, wie teuer ihre Technik ist. Die Politiker machten sich aber nicht die Mühe, die wahren Produktions- und Materialkosten nachzuprüfen. Wenig verwunderlich: Die Anlagenhersteller nannten Mondpreise. Und die bekamen sie über das EEG auch – vielleicht zu ihrer eigenen Überraschung.
Bis heute liegen die Renditen für Solaranlagen bei über acht Prozent; im sonnigen Bayern teilweise noch höher. Und die deutschen Hersteller freuten sich lange über Margen von bis zu 400 Prozent. Jeder Verbraucher, der heute 5,3 Cent pro Kilowattstunde EEG-Umlage bezahlt, weiß also, wo ein Großteil seines Geldes landet und gelandet ist: in überteuerten Solaranlagen. Das Milliardengrab der Verbraucher war eine Goldgrube für Hersteller und Anlagenbetreiber. Die Kosten für den Skandal-Bahnhof Stuttgart 21 sind Peanuts dagegen.
Dabei wäre die Solarenergie auch mit weniger Förderung erfolgreich gewesen. Das beteuerten ab dem Jahr 2006 sogar schon die Lobbyisten der Solarbranche – sie ahnten, dass der Geldsegen für ihre Branche der ganzen Energiewende am Ende schaden könnte. Und sie behielten Recht. Die hohen Strompreise torpedieren derzeit das Projekt des grünen Umbaus.
Warum selbst die konservative Bundesregierung unter Angela Merkel in den folgenden Jahren nicht auf die Mahner hörte? Das wird ihr Geheimnis bleiben.
Vom Strompreis-Irrsinn zur Strompreislüge
Zu den viel zu hohen Preisen für Solarstrom kommt ein zweites gravierendes Problem, das bis heute nicht gelöst ist. Die EEG-Umlage, die Verbraucher und Wirtschaft bezahlen, ist eigentlich ein Differenzbetrag. Vereinfacht gesagt: Drängt viel grüne Energie bei wenig Nachfrage ins Netz, fallen die Preise an der Strombörse. Die Differenz zwischen dem Börsenpreis und dem im EEG festgesetzten Preis für grüne Energie zahlen die Verbraucher.
Sprich, je billiger der Strom an der Börse ist, desto höher die Umlage – und je mehr Grünstromanlagen am Netz sind, desto tiefer sinkt der Börsenpreis. Der Erfolg der Erneuerbaren durch hohe Renditen erzeugt also eine Kostenspirale – auch dieser Effekt ist seit Jahren bekannt. Getan hat die Regierung nichts. Die Folge: die derzeitige Preisexplosion.
Nun wenden einige Kommentatoren ein: Wenn der Börsenpreis sinkt, könnten doch auch die Energieversorger – die zu den niedrigeren Preisen einkaufen – die Stromkosten für die Endkunden senken. Das würde wiederum einen Teil der Preissteigerungen durch die erneuerbaren Energien auffangen. Die Bild-Zeitung nannte diesen Effekt den „Strompreis-Irrsinn“, die sonst eher nüchterne Zeit sprach von einer „Strompreislüge“.
Die Rede von einer Strompreislüge ist aber nur die halbe Wahrheit. Erstens kaufen die Energieversorger nur vergleichsweise geringe Mengen an der Börse. Und zweitens schätzen Experten zwar, dass der Gewinn der großen Stromversorger E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW pro Kilowattstunde in den vergangenen Jahren durch den Börseneffekt gestiegen ist. Um wie viel, weiß allerdings niemand genau.
Diese Argumentation hat zudem einen entscheidenden Haken: Der Atomausstieg hat die Großen massiv Umsatz gekostet und auch die Kohle- und Gaskraftwerke rechnen sich durch die Vorfahrt für grüne Energie immer weniger. Der fossile Kraftwerkspark rutscht in die Verlustzone. Würde zum Beispiel das Kartellamt eine Anpassung der Endkundenpreise an die gesunkenen Börsenwerte durchsetzen, dann drohte manchem Konzern wohl die Pleite.
Die Regierung wiederholt alte Fehler
Selbst Schuld, könnte man einwenden. Der Atomausstieg und die Energiewende sind lange beschlossen, die Konzerne hätten reagieren müssen. Man kann aber auch argumentieren, dass der plötzliche Verlust von tausenden Arbeitsplätzen und der Zusammenbruch der geordneten Energieversorgung ein Chaos verursachen könnte, das die Versorgungssicherheit mit Energie gefährdet. Werbung für die Energiewende im Ausland wäre das nicht.
Außerdem: Verursacht hat das Problem schließlich auch die Politik und nicht nur die Versorger.
Die Antwort der Regierung auf all das ist Aktionismus. Und das macht die Sache so gefährlich. Altmaier und Rösler wollen Besitzern von Wind- und Solaranlagen jetzt im Nachhinein ein Teil des Geldes wieder wegnehmen, das sie über die Förderung in der Vergangenheit erhalten haben. Damit gesteht die Politik ihr eigenes Versagen ein. Eine vertrauensbildende Maßnahme für Investoren ist es nicht.
Hinzu kommen weitere kleinere Maßnahmen des Duos: Die Privilegierung für die Großindustrie und die Befreiung von der EEG-Umlage sollen teilweise gestrichen werden, die Förderung für neue Erneuerbare-Energienanlagen wird in der Anfangszeit ausgesetzt, die für Wind zusätzlich gesenkt. Das alles soll die Kosten dämpfen. Vielleich tut es das auch. Aber es wird gleichzeitig den Ausbau der Erneuerbaren massiv ausbremsen.
Unnötigerweise.
Zugleich werden die Fehler der Solarförderung an anderer Stelle wiederholt. Gerade hat die Regierung ein Förderprogramm für Kellerakkus in Höhe von 50 Millionen Euro beschlossen. Derzeit, da sind sich die Experten einig, braucht es diese Batterien, die Solarstrom speichern sollen, aber überhaupt nicht. Hinzu kommen Milliarden-Förderungen der völlig überteuerten Energie aus Offshore-Windparks.
Auch andere Paradoxien bleiben bestehen. Beispiel Stromsteuer. Sie sollte eigentlich schmutzige Energieträger wie Kohle und Gas unattraktiver machen, sie gilt aber auch für Sonne- und Windstrom. Hinzu kommt: Rund ein Sechstel des deutschen Stroms fällt aus der Berechnung der EEG-Umlage völlig raus. Es ist all die Energie, die zum Beispiel Chemieunternehmen in Kohle- und Gaskraftwerken privat erzeugen. Zöge man sie in die Abgaben mit ein, würde die EEG-Umlage signifikant sinken.
Man sieht: Die Vorschläge der Regierung sind wenig mehr als Klempnerei. Das müsste aber gar nicht sein. Denn mit einer intelligenten Steuerung und Planung, könnte man das hohe Ausbautempo in Deutschland sogar kostenverträglich beibehalten. Wind- und Solaranlagen könnten zum Beispiel nur noch dort gebaut werden, wo sie am billigsten arbeiten – es also am meisten Wind und Sonne gibt. Teure Standorte kommen später dazu, wenn die Technik günstiger geworden ist. Derzeit wird wild überall dort gebaut, wo gerade Platz ist – daran ändern auch Altmaier und Rösler nichts.
Statt intelligent zu steuern, würgt die Politik den Energiewendemotor also wie ein Fahranfänger ab. Deutschland als weltweites Vorbild für den Umstieg auf Erneuerbare? So leider nicht.




albert
Herzlichen Glückwunsch!
Endlich einmal ein inteligenter Beitrag, der sachlich und zu 100% richtig ist.
Sie sollten ihn Herrn Altmeier schicken.
Dirk W.
Leider fehlt im Artikel nahezu komplett, dass Rot-Grün das ganze beschloss mit nahezu allen Fehlern.
Die Befreiung, bzw. Deckelung für Industrieunternehmen für Industrieunternehmen/Strassenbahnen/Golfplätze, führe Rot-Grün ein, ebenso wie die utopisch hohe Einspeisevergütung für Solarstrom, dazu noch gar die Eigenverbrauchsvergütung, so dass die Selbsterzeuger mit eigens erzeugten und verbrauchten Solarstrom nicht nur nicht zur Zahlung der EEG-Umlage beitrugen, sondern noch Geld kassierten, dass sie den Strom verbrauchten.
Ähnlich sieht es bei Biogas aus. Hier hat Rot-Grün damals in den Regelungen verpennt dafür zu sorgen, dass keine riesigen Maiswüsten entstehen.
Benjamin Reuter
@ Dirk sicher, einige der Ursachen für die Fehlentwicklung gehen auf Rot-grün zurück. Allerdings hätte CDU/SPD und CDU/FDP genügend Möglichkeiten und Zeit gehabt, die Entwicklungen zu korrigieren. Das ist nicht passiert. Grün, zum Beispiel, will einen Fehler ja jetzt beseitigen, indem auch Eigenverbraucher EEG bezahlen müssen. Bei den Ausnahmen für die Industrie muss man, meiner Meinung nach, differenzieren. Klar, Golfplätze, Bäckereien, etc. haben in der Befreiung nichts verloren. Für wirklich Stromintensive ist die Befreiung aber existentiell. Ich war kürzlich in einer Gießerei, die EEG-Umlage würde sie sofort ins Minus drücken, der Standort wäre nicht zu halten. Da ist Augenmaß angesagt.
Aber das Grundproblem ist ja ein anderes: Fluktuierende grüne Energie kann im jetzigen Strommarkt nicht abgebildet werden. Dieses Problem hat man zu lange ignoriert. Man darf gespannt sein, wie die Reform nach der Bundestagswahl aussieht.
ln-von-e
Das wichtigste hat Herr Reuter noch übersehen. Der überwiegende Teil des erneurbaren Stroms wird (da völlig nutzlos) wieder vernichtet. Die Stromkonzerne kaufen an der Strombörse nicht ein, sondern verkaufen dort. Einkaufen kann dort nur der, der selbst über Kraftwerke verfügt. Denn er hat keine Liefergarantie. So kommt es, dass es im wesentlichen 3 Kunden für dort gibt: die Niederlande, die nachlassenden Strom mit Gasturbinen ausgleichen und die Alpenländer A und CH, die damit ihre Stauseen hochpumpen. In diesen drei Ländern ist der Strompreis gesunken – dank der dummen Deutschen. Bis jetzt wurden über 100 Mrd. für (überwiegend) nutzlosen EE-Strom ausgegeben, und nur ganz wenige Millionen für Speichertechnik.
Dort sieht es so aus:
a) Pumpspeicherwerke (es gibt nur 30 und die laufen in wenigen Stunden leer) sind ungeeignet.
b) Norwegen besetzen, aber die wollen zurückschießen.
c) Batterien kaufen (man bräuchte so ungefähr alle Akkus der Welt allein für Deutschland), ist also auch Nonsense
d) Methan erzeugen. Hier ist das Problem, dass das synthetische Erdgas um eine Mehrfaches teurer ist als Erdgas auch Rußland. Aber es ist definitiv die einzige Speichermöglichkeit. Also muss hier investiert und entwickelt werden. Es MUSS gelingen, synthetisches Erdgas für 10 Cent/kwh herzustellen. Wenn nicht, dann ist die gesamte Energiewende Unfug, kostet mind. 1 Mio Arbeitsplätze und endet in einem Trümmerhaufen.
Dass der Soziologe Trittin damit geistig überfordert war, wusste jeder. Aber die Herren Altmaier und Rösler scheinen nicht weit von ihm entfernt zu sein.
Benjamin Reuter
“Der überwiegende Teil des erneurbaren Stroms wird (da völlig nutzlos) wieder vernichtet.” Wenn Sie damit abgeregelt meinen, dann ist es allerdings ein sehr sehr kleiner Teil (wegen der Vorfahrtsregelung für Grünstrom). Ärgerlich ist es dennoch und das Problem wird zunehmen.
Neher
weil ahnungslose , wie Merkel, Rößler, und Co etwas betreieb wo diese keine, keine Ahnung haben.
Diese …. in Berlin können alles besser: S21; Flughafen BER; Hamburg usw.
(von der Redaktion bearbeitet, bitte keine Beleidigungen)
Hoffmann
Denkfehler, Herr Reuter. Windkraft im Meer hat den besten Wind und ist dennoch mehr als doppelt so teuer wie im Süden u. dreimal so teuer wie an der Küste. Würde man nur am günstigsten Standort bauen, also an der Küste, bräuchte man viel teure Leitungen nach Süden.
Nicht viel anders bei PV: Die Mehrerträge im Süden wären geringer als die Übertragungsverluste nach Norden, dazu noch die zu bauenden Stromleitungen.
Lesen Sie “Aktuelle Fakten zur PV in D” von Fraunhofer I.
Aktuell sind von 5,3 Ct/kwh EEG-Umlage nur 2,2 Ct reine Förderkosten. Rest ist scharzgelbe Klientelsubvention!
Benjamin Reuter
“Würde man nur am günstigsten Standort bauen, also an der Küste, bräuchte man viel teure Leitungen nach Süden.” Sicher bei so einer Planung und Ausschreibung muss man auch die Nebenkosten (wie Netze, etc) mitberechnen. Netze sind aber nicht so teuer, wie oft behauptet. Derzeit fließen aber überhaupt keine Standortbetrachtungen in den Ausbau (zu viel Südanlagen bei PV z.B.). Das ist doch das Problem.
Hoffmann
@In-von-e
Die “dummen” Deutschen haben mit den Erneuerbaren noch NIE mehr Strom erzeugt als in D Strom nachgefragt wurde. Wenn exportiert wurde dann nur weil fossile Kraftwerke nicht genügend drosseln konnten. Mehr als 50% Drosseln geht technisch nicht.
Lt. der Speicherstudie vom VDE sind zusätzliche Stromspeicher erst ab einem Ökostromanteil von 40% nötig, und auch das nur minimal.
Bis 2018 wird ein HGÜ mit 1,4 GW nach Norwegen gebaut, in der Diskussion ist es das nochmal zu verzehnfachen. Schon das würde für 80% Ökostrom genügen. Norwegen muß keine Speicher zubauen, nur Leitungen.
Akkus sind in 5-10 Jahren deutlich günstiger, z.B. die NaS Akkus haben einen Materialwert von ca 10 Euro/kwh. An Material mangelt es sicher nicht.
Strom in Methan, H2 oder Methanol zu speichern geht schon heute. Die Kosten liegen bei 6 Cent/kwh plus Windstrom (z.Zt. ab 4,9 Ct).
Nicht zuletzt können Biomasse+-gas die Stromerzeugung ausgleichen u. müssen keineswegs 24h täglich laufen.
Beleidigungen für Politiker sind allenfalls für die jetzige Regierung angebracht. Denen kann man in diesem Bereich wirklich totale Unfähigkeit bescheinigen!
Sven
Was ihr nicht schreibt ist, dass die Kostensteigerung zu 40% auf die Nachholung von 2012(zu geringe Kostensteigerung vorausgesagt), zu 16% auf das Industrieprivileg zurückgehen und nur 11% die Reinen Förderkosten sind. Der Rest legt sich zusammen aus Liquiditätsreserve(wofür brauchen wir diese?), Rückgang des Börsenstrompreises und der Marktprämie zusammen.
Benjamin Reuter
Danke für den Nachtrag. Die Nachholkosten sind ja auch Kosten, ob nun ein Jahr früher oder später gezahlt. Zur Befreiung der Energieintensiven, siehe mein Kommentar oben. Sie ist nötig, wird aber meiner Meinung nach in der Debatte auch überbewertet. Die Liquiditätsreserve soll eben die Nachholkosten künftig vermindern, ebenso einen sprunghaften Anstieg wie 2012 auf 2013. Tja, und die Marktprämie ist im Grundsatz wohl schon eine gute Idee, um die EEG-Umlage zu senken und Lastspitzen zu vermindern. Derzeit funktioniert das anscheinend aber nicht richtig.
Fritze
Gratulation Deutschland!
Es ist gelungen, ein funktionierendes System durch eine staatlich gelenkte Mißwirtschaft zu ersetzen.
Die jetzigen Damen und Herren Politiker haben noch nicht ganz verstanden.
Herr Mittag hätte die Planung nicht besser machen können.
Der Niedergang ist garantiert. Nur eine Frage muß noch gestellt werden:
Wann gehen die ersten, neuen Kernkraftwerke in Planung?
Irrtumsjäger
@ Fritze: Wo gab es denn in der Energiewirtschaft jemals ein funktionierendes marktwirtschaftliches System in Deutschland? Atomsubventionen, Kohlesubventionen, Flugbenzin- und Dieselsubventionen und dazu das Fortbestehen des NS-Energiewirtschaftsgesetzes bis in die späten 1980er.
Und alles Geld landete schön in den Taschen der großen Energiekonzerne. Jetzt aber, wo die Bürger mit ihren Solaranlagen auf dem Dach oder den Windparkbeteiligungen mal profitieren, geht für einige Herrschaften natürlich die Welt unter.
dietaeg
Ein soweit guter Artikel. Aber die Gründe für die “Energiewende” waren und sind falsch. Was bringt es wenn Deutschland etwas spart und China jedes Jahr die deutschen Kapazitäten zubaut. Wir sparen für teueres Geld und die anderen verfeuern es?
Klimawandel. Das ist eine unbewiesene Doktrin. Und gleiche Argumentation wie oben.
Kernkraft, Harrisburg hat gezeigt, dass Kernkraft auch bei einem Unfall sicher zu beherrschen ist. Durch Filter in den Abluftanlagen passiert bei uns auch bei einem Unfall nichts.
Motzer
Es fehlt von Anfang an ein Konzept. Merkel hat mit einer Bauchentscheidung auf Fukushima reagiert und jetzt weiss niemand wie das ganze umgesetzt werden kann. Wirtschaftlich sinnvoll und zu vertretbaren Kosten. Wie bei Europa auch sollte man diese Fehlentscheidungen durch einen Neuanfang korrigieren! Aber der Wähler hat ja mangels Alternativen keine Chance, hier korrigierend einzugreifen. Zumindest noch keine Chance!
Kritiker
Das ist einer der wenigen guten Beiträge zur Energiewende.
Eine kleine Ergänzung hätte ich allerdings dazu noch. Sie schreiben, dass vor 13 Jahren für einige Solaranlagen
50 ct/kWh bezahlt wurden. Es gab Anlagen, da wurden und
werden fast 60 ct/ kWh bezahlt. Denn “Rot/Grün” schrieb damals im EEG fest, dass die Vergütung 20 Jahre lang gezahlt wird. Die Stromkunden sollten sich ganz herzlich dafür bedanken!
Robert Wahr
Dieser Irrsinn wäre nicht passiert wenn die Grünen nicht mit an die Regierung gekommen wären. Diese Partei wird uns alle energiepolitisch in den Ruin stürzen, deren verkappten Ideen werden alles immens verteuern egal ob Strom- oder Bezinpreis ob steigende Mieten wegen der meist unnützen energetischen Sanierung. Grün bedeutet steigende Lebenshaltungskosten, das sollten alle wissen die diese Partei wählen.
Sebastian Matthes
Sicher haben Sie in Teilen Recht. Aber glauben Sie, dass dadurch der gesamte grüne Umbau falsch ist? Was ist Ihre Antwort auf Klimawandel und Rohstoffknappheit?
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Guido H.
Der größte Teil der EEG-Umlage fließt in PV-Anlagen. 2 weitere Aspekte des EEG:
Realistisch gerechnet ist das EEG Umweltschädigung. Die Vermeidungskosten pro Tonne CO2 lagen anfangs bei ca. 400EUR. Aktuell sind es wohl um die 100 EUR. Nehmen wir bei PV im Schnitt bisher 200 EUR/t CO2 an. Bei effizienteren Maßnahmen liegen die CO2-Vermeidungskosten nur bei 20 EUR/t. Man hätte mit einem besseren Einsatz der EEG-Milliarden also den 10fachen Umwelteffekt erreichen können. Da die Ressource Geld nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, ist Photovoltaik unter dem Strich nicht Umweltschutz sondern Umweltschädigung.
Der angeblich so große Jobmotor ist fast komplett kollabiert. Fast alle deutschen PV-Hersteller sind mittlerweile pleite. Ein großer Teil der EEG-Milliarden schafft Arbeitsplätze in China.
Wenn ich sehe, wie massiv Geld für Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen und Hochschulen fehlt, dann werde ich extrem wütend. Der Staat garantiert ab 2013 einen Rechtsanspruch auf einen KiTa-Platz. Und er wird daran total scheitern, wiel an allen Ecken und Enden das Geld fehlt. Gleichzeitig verschwenden wir mit einer Steuer-ähnlichen Konstruktion über 20 Mrd. pro Jahr für das EEG. Deutschland hat seine Zukunft (Kinder) für eine gescheiterte Energiewende verspielt. Noch steht Deutschland gut da. Die angesichts der guten aktuellen Lage völlig zum Erliegen gekommenen Reformanstrengungen und insbesondere das versagen im Bildungssektor wird sich in den nächsten Jahrzehnten furchtbar rächen.
Wilfrid Krienke
Der Artikel ist nicht richtig!
Für PV sind die reinen Kosten bei 2,2 Ct (wahrscheinlich sogar geringer). Der Rest wird für die Subventionen, Ausnahmeregelungen (z. B.Golfplatz, der einen unwahrscheinlich hohen Stromverbrauch hat), den nicht erzeugten Windstrom (der subventioniert wird), den versäumten Netzausbau und die Mehrwert- u. Stromsteuer benötigt.
Der PV-ler, der mit hohen Kosten investiert und auch Arbeitsplätze sichert/gesichert hat, weil er auf die Zusage der Regierung vertraut hat, soll nun im Nachhinein rückwirkend! zur Kasse gebeten werden. Das nenne ich Vertrauens- u. Vertragsbruch.
Müssen Verträge also in Zukunft nicht mehr eingehalten werden?
Benjamin Reuter
Ich glaube, nur auf die reinen Erzeugerpreise der einzelnen Energien zu schauen, stimmt bei den Fossilen so wenig wie bei den Erneuerbaren – deshalb sind Ausnahmen, Netzausbau etc. auch eine Folge des Umbaus der Energieversorgung. Man kann sie also nicht so einfach rausrechnen.
beste grüße
JayM
Hallo Herr Reuter,
viel Richtiges, und einiges was man so nicht unkommentiert lassen sollte.
Die Erneuerbaren drücken den Börsenpreis und dadurch auch längerfristige Verträge, wenn auch mit Verzögerung. Nicht-EEG Strom wird in Deutschland also billiger, die von der Umlage befreite Industrie zahlt weniger für Strom als sie ohne EEG zahlen würde. Das ist erstmal etwas Gutes, was die EE da liefern. Das führt nominell zu einer Erhöhung der Umlage (“Strompreis-Irrsinn”) und läßt das EEG teuerer aussehen als es wirklich ist.
Die sehr hohen Fördersätze waren anfangs notwendig, um die Massenherstellung in Gang zu kriegen (mal nach ‘Lernkurve’ oder ‘Experience Curve’ suchen). Der Balanceakt war seitdem, die Vergütungen ebenso schnell abzusenken wie die Kosten gefallen sind. Das ist nicht immer perfekt gelungen, aber spricht nicht prinzipiell gegen das EEG System. Heute ist PV Strom billiger als Haushaltsstrom und Windstrom billiger als Strom aus neuen AKW oder Kohlekraftwerken.
Saudi Arabien möchte über 40 GW Solarkraftwerke bauen, weil Solarstrom heute in SA bereits billiger ist als Strom aus Rohöl. China hat Pläne für über 50 GW. Nichts davon wäre heute möglich ohne die vom Deutschen EEG ausgelösten Kostensenkungen. Der Einfluß des EEG auf globale CO2 Emissionen ist absolut gigantisch. Wenn man die Entwicklung mal weiter denkt (weiter sinkende Kosten für PV, steigende Kosten für fossile Brennstoffe) hat das Deutsche EEG der Welt die Werkzeuge an die Hand gegeben sich langsam von fossilen Brennstoffen im Kraftwerksbereich zu lösen.
Es bleiben riesige Herausforderungen. Es bleibt auch noch viel zu Investieren. Aber wir sind auf einem guten Weg, den wir nicht wegen eines populistisch geführten Wahlkampfes gefährden sollten.
Gruß
Jochen
Benjamin Reuter
“Deutschland also billiger, die von der Umlage befreite Industrie zahlt weniger für Strom als sie ohne EEG zahlen würde” – stimmt in dieser Pauschalisierung nicht, da viele Unternehmen mit langfristigen Verträgen arbeiten und da steigen die Preise.
beste grüße
JayM
” – stimmt in dieser Pauschalisierung nicht, da viele Unternehmen mit langfristigen Verträgen arbeiten und da steigen die Preise.”
Die langfristigen Verträge werden doch aber nicht ohne Ansehen der Börsenpreise geschlossen. Da werden sicher Prämien für Preissicherheit bezahlt, aber vom Trend der Strombörse können sich auch langfristige Anbieter nicht freimachen. Spätestens wenn die Verträge erneuert werden überlegt der Kunde ob er an der Börse nicht billiger einkaufen könnte.
Gruß
Jochen
Martin
Zunächst einmal verstehe ich niemanden der sich über die gestiegenen Strompreise durch die EEG Umlage aufregt!!
Glaubt denn hier jemand ernsthaft, dass der Strom aus Fossilen Quellen billiger wird??
Googelt doch mal wie sich die Preise für Öl,Gas,Kohle und Uran die letzen 20 Jahre entwickelt haben !! Diese Entwicklung wird sich in Zukunft noch beschleunigen>> Stichwort Energienachfrage der Schwellenländer China Indien Brasilien Russland usw.usw.
Der “Einzige” lagfristige Weg wie wir hier in Deutschland bezahlbare Energie zukünftig haben können sind die Erneuerbaren Energieen daran führt in einem Land ohne eigene Gas und Ölvorkommen kein Weg vorbei!!
Selbst der größte Ölproduzent der Welt hat heute bekannt gegeben 40 Gigawatt Sonnenstromleistung zuzubauen!!
Ach ja was komisch ist wieso regt sch igentlich niemand über die horrenden Preise für Heizöl,Benzin,Diesel und Gas auf??
Richtig weil hier keine Hetzkampagne der Medien durch die Energiekonzene finanziert wird, denn hier wird kräftig verdient ganz im Gegensatz zu den Erneuerbaren wo der normale Bürger die Chance hat die Energieversorgung in die Eigene Hand zu nehmen!!! Denkt mal drüber nach und glaubt nicht jeden …. aus den Medien !!!
Stromer
Gott sei Dank gibte es Leute wie Martin, die verstanden haben um was es eigentlich geht !
Ich kann das gejammere nicht mehr hören – die aktuelle Strompreiserhöhung wegen der EEG Umlage (speziell) PV Strom beträgt nicht eimal 3 € monatlich !!!!! (einfach mal nachrechnen !!)
Ich meine das kann auch der ärmste verkraften! ev. 3 Bier weniger im Monat.
Zu Guido H.
Ich gehe ganz schwer davon aus dass der bei einem der Enrgierießen im Vorstand sitzt – anders kann ich mir dass nicht vorstellen.
Für mich ist eines klar. Sollte die Energiewende jetzt an die Wand gefahren werden, wird dies für Deutschland eine unüberschaubare negative Auswirkung haben. Deutschalnd muss vorangehen!
Rudolf Egeler
Die nächste Bundesregierung sollte als erstes die beiden Abtei-
lungen bzw. Ministerien zusammenlegen und zwingend sich über-
lappende Abteilungen verzahnen und gleichzeitig von sogenannten
sesselfurzern befreien.
Rolf Leuchtenberger
Im Gegensatz zu den populistischen Umweltministern Trittin/Gabriel muss man BM Peter Altmaier konzedieren, aus der ‘Nacht und Nebel-Entscheidung’ seiner Kanzlerin, mit couragierten Sachverstand, den Versuch das Beste zu machen. Nur wie sollen, die noch erklärungsbedürftigen Kosten in der Höhe der Wiedervereinigung -€ 1.000.000.000.000.- – volkswirtschaftlich bezahlbar sein. Schon die Euro-Einführung, ohne elementare Rahmenbedingungen hat uns gezeigt wie die praktischen Auswirkungen aussehen, wenn man unabgestimmt und noch dazu unverantwortlich handelt!
Und nun stellen wir uns die halsbrecherische Energie-Halse (Segler kennen den Unterschied zur Wende) in D vor, wenn wir frei nach Trittin & Co. Kernkraft & Kohle (Gas vorher)demnächst durch Photovoltaik & Windkraft ersetzt haben: Es ist mal richtig Winter bei 15 Grad minus: Schnee bedeckt die Solar-Anlagen und es ist tagelang windstill ! Ich weiss nicht wie ich sie überzeugen kann, aber sie müssen überzeugt werden, bevor in D die Lichter ausgehen!
JayM
Also im letzten richtig kalten Winter haben Deutsche PV Kraftwerke bei -18 C den Franzosen mit ihren Stromheizungen den A**** gerettet.
Und wo wir bei Versorgungssicherheit sind:
- Wind und Sonne sind inzwischen sehr gut vorhersagbar
- viele Instabilitäten gibt es im Moment jeweils zur vollen Stunde. Da endet ein Handelszeitraum an der Börse und ein neuer fängt an, die Kraftwerke mit dem neuen Zuschlag fahren hoch, die vorherigen zum Teil runter.
- so ganz stabil sind die fossilen und AKWS auch nicht. Kurz nach Inbetriebnnahme ist z.B. Altmaiers liebstes Braunkohlekraftwerk mit 2,2 GW innerhalb von 7 Minuten ungeplant vom Netz gegangen. Noch nicht lange her da sind in Norddeutschland zwei AKW innerhalb einer halben Stunde ausgefallen. 2 GW unvorhergesehenen Ausfall innerhalb von so einer kurzen Zeit wird es mit Wind und Sonne nicht geben.
- natürlich braucht man eine Mischung aus Überkapazität, Back-up. Verbrauchsmanagement und Speichern. Das wird auch Geld kosten. Von dem Punkt sind wir aber noch ein ganzes Stück weg. Besonders wenn man anfängt Strom- und Wärmemärkte enger zu koppeln und PV und Windüberschüße durch Vermeidung von Gasverbrauch 1:1 (Heizstab, billig und ineffizient) oder 1:3 (Wärmepumpe, teuer und sehr effizient) in speicherfähiges Gas umzuwandeln.
Es bleibt viel zu tun. Aber Bange machen gilt nicht
Gruß
Jochen
Gerin
Da vermischt sich viel Halbwissen mit Ahnungslosigkeit.
Die Kraftwerke können keineswegs nur bis 50% gedrosselt werden. Atomkraftwerke schaffen deutlich mehr. Die Fähigkeit, auf mind. 50% zu drosseln zu können ist vorgeschrieben. Aber das geht nicht ohne Energieverlust.
Beweis: die Zahlen des stat. Bundesamtes: 2011 wurden 504 Twh konventionell erzeugt und 473 verkauft und exportiert. Daneben wurden noch 101 Twh “Erneuerbare” erzeugt. Wozu?
Die Umwandlung in Methan kostet nach einer Expertise der TU Stuttgart 14 Cent/Kwh, wenn der Strom umsonst ist. Die Methanisierung selbst setzt sogar noch Wärme frei (kann man sich aufwärmen), das Problem ist die Spaltung von Wasser.
Hier gibt es Ansätze für neue Verfahren.
Eine Speicherung in Pumpspeicherwerken ist Unsinn. Würde ca. 13 Billionen kosten. Noch unsinniger ist die Speicherung in Akkus. Daß man erst bei einem EE-Anteil von 40% Speicher braucht ist so zu verstehen, dass man darüberhinaus gar nichts mehr einspeisen kann ohne das Netz zusammenbrechen zu lassen. An ca. 50% aller Tage liegt die Windleistung im einsteligen %-Bereich. Und nachts scheint keine Sonne.
Also werden dann die gesamten konventionellen Kraftwerke gebraucht. Die bösen Strom-Multis stehen (bis auf einen) in den roten Zahlen. Das gibt auch für EnBW (gehört dem Lande BaWü mit MP Kretschmann von den Grünen). Die treten auch unter dem Decknamen Yello auf. Die Bevorzugung der Großverbraucher beträgt 1,33 Cent. Davon 1 Cent von Rotgrün und 0,33 Cent von Schwarzgelb. Kostentreiber sind:
EEG-Umlage 5,28 Cent; KWKG-Umlage 0,13 Cent; NEV-Umlage 0,33 Cent, Offshore-Umlage 0,25 Cent. Das sind zusammen mit dem 1 Cent der Rotgrün-Industrie-Entlastung 6,99 Cent. Zzgl. MwSt sind das dann 8,32 Cent pr Kwh für das EEG. Bei einem Jahresverbrauch einer 4-köpfigen Familie (stat. Bundesamt) von 4500 Kwh sind das dann 374 Euro im Jahr. Für die Blauplatten der Zahnarztgattin. Und die 9%-Rendite der Windmacher. Dazu kommen höhere Kosten für Lebensmittel, Nahverkehr…….
Jannis K.
Richtiger Artikel!
Die oberste Regulierungsregel heißt: “Verändere niemals die Gesetzgebung im Nachhinein” bzw. einfacher: “Halte Deine Versprechen”. Was Rösler und Altmaier, von dem ich bisher viel gehalten habe, jetzt machen, ist ein ordungspolitisches Missgriff sondergleichen. Spanien hat es vor wenigen Jahren vorgemacht und damit das Vertrauen der Investoren nachhaltig zerstört.