Die europäische Cleantech-Branche steckt tief in den roten Zahlen. Laut einer Marktstudie der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young fielen im vergangenen Jahr die Einnahmen börsennotierter Unternehmen aus dem Sektor um rund 30 Prozent im Vergleich mit 2010. Asiatische Unternehmen verzeichneten dagegen Wachstumsrekorde – mit einem Umsatzplus von 20 Prozent auf 56 Milliarden Dollar hängten sie Europa als bislang größten Cleantech-Markt der Welt ab. Deutlich im Plus waren auch die USA und Lateinamerika.

Während der Weltmarkt 2011 nur leicht geschrumpft ist, litten deutsche Unternehmen unter heftigen Einbrüchen. Grafik: Enrst & Young

Auch Deutschland musste in seiner Rolle als Cleantech-Vorreiter einen harten Rückschlag einstecken. Die Umsätze hierzulande sanken laut Studie um 15 Prozent, die Beschäftigung in der Branche ging gar um ein Viertel zurück – 9.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Noch drastischer war der Einbruch bei den Überschüssen: Nach Gewinnen von 700 Millionen Dollar in 2010 verlor die Branche im vergangenen Jahr rund 2,2 Milliarden Dollar. Dennoch bleibt Deutschland nach Anzahl der Unternehmen, Mitarbeiterzahl und Marktkapitalisierung der weltweit drittgrößte Standort für die Cleantech-Branche.

Für ihren Report haben die Cleantech-Experten von Ernst & Young mehr als 400 börsennotierte Unternehmen untersucht, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit sauberen Technologien verdienen. Dazu zählen die Autoren unter anderem Solar- und Windenergie, Energieeffizienzprodukte, Biotreibstoffe und Energiespeicher.

„Vor allem chinesische Unternehmen verfolgen eine aggressive Wachstumsstrategie, die radikal auf Umsatzwachstum angelegt ist – auch, wenn das auf Kosten der Gewinnmargen geht“, sagt Robert Seiter, Leiter des deutschen Cleantech-Teams bei der Beratungsgesellschaft. Rund die Hälfte der großen Cleantech-Unternehmen stamme inzwischen aus China, heißt es in der Studie.

Die Gewinne börsennotierter Cleantech-Unternehmen sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Grafik: Ernst & Young.

Diese nutzten ihre Marktmacht und die Unterstützung der chinesischen Regierung, um den weltweiten Preiswettkampf zu bestimmen. Insgesamt gingen in der Cleantech-Branche die Umsätze um 11,7 Milliarden Dollar zurück, wobei auch die asiatischen Unternehmen im Schnitt Verluste schrieben. Etwa die gleiche Summe sei im Jahr zuvor als Gewinn übrig geblieben, schreiben die Experten von Ernst & Young. Nicht ohne Grund wehrten sich die USA und die EU inzwischen mit Klagen gegen die Dumpingpreis-Politik der Chinesen.

Ein Großteil der Verluste sei auf die Solarbranche zurückzuführen, in der weltweit rund 180.000 Leute arbeiten. Seiter verweist aber auch auf andere Marktsegmente wie die Windenergie und Energieeffizienz-Technologien. „Das sind vielversprechende Märkte, die dynamisch wachsen und in Zukunft eine immer größere Rolle spielen werden“, sagt er.

So konnten die Energieeffizienz-Spezialisten ihren Umsatz im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte steigern. Darin liege eine große Chance gerade für deutsche Unternehmen – sie und ihre europäischen Pendants seien der Konkurrenz noch weit voraus.

Die Studie konzentriert sich allerdings nur auf die größten Cleantech-Unternehmen, die an der Börse notiert sind – den mittlerweile sehr kleinteiligen und dynamischen deutschen Markt mit vielen Startups und Mittelständlern lassen die Autoren außer Acht. So kommen die von Ernst & Young untersuchten Unternehmen auf einen Umsatz von 17 Milliarden Dollar. Eine im Herbst veröffentlichte Studie des Bundesumweltministeriums ist deutlich optimistischer und beziffert das Marktvolumen für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz in Deutschland schon auf 300 Milliarden Dollar. Allein ein Drittel davon entfalle auf den Bereich der Energieeffizienz.