Wenn die Feiertage vorbei sind, hat Ralf Hamm wieder jede Menge zu tun. Dann rufen ihn zahlreiche Beschenkte an oder schreiben ihm, weil sie ihm ihren alten Computer geben wollen. Ralf Hamm arbeitet dann mit Bekannten zusammen, überschreibt die Festplatte dreimal und repariert den Rechner, wenn nötig. Am Schluss spielt er Ubuntu darauf, eine weit verbreitete und einfach zu bedienende Linux-Version, und kostenlose Lernsoftware. Dann ist der Laptop fertig für seinen Weg in eine Schule.

Ralf Hamm hilft ehrenamtlich bei Labdoo, einem jungen, in den USA gegründeten Netzwerk. Es ist die wohl derzeit beste  Anlaufstelle für alle, die sich fragen, was sie mit ihrem alten Laptop machen sollen. Das sind nicht nur nach den Festtagen all jene, bei denen ein neues Notebook unter dem Weihnachtsbaum lag. Denn laut dem IT- und Telekomverband Bitkom lagern in deutschen Haushalten noch 20 Millionen alte Geräte, die hauptsächlich einstauben.

Ein Notebook ist voller wichtiger Rohstoffe. Wenn es schon entsorgt werden soll, dann im Recycling. Doch oft ist ein Rechner ja nicht kaputt, sondern nur zu alt, zu langsam oder zu schwer geworden. Kinder in Schulen in Bosnien-Herzegowina, in Bolivien, Kamerun und Indien können ihn noch gut gebrauchen. “Die warten händeringend darauf”, sagt Hamm aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Februar las er zufällig einen dpa-Bericht von der Computermesse CES in Las Vegas, in dem die Labdoo-Idee vorgestellt wurde. Hamm, IT-Fachmann und Frührentner, war sofort begeistert. “Das ist ein geniales Konzept. Ich habe nirgends eine Schwachstelle gefunden”, sagt er.

Die digitale Kluft verringern

Der Spanier Jordi Ros-Giralt gründete die Organisation vor rund zwei Jahren in New York, wo er als Computerwissenschaftler arbeitet. Er hatte darüber nachgedacht, wie man mit den mehr als 140 Millionen Rechnern, die Jahr für Jahr in Unternehmen und Privathaushalten ausrangiert werden, die Welt verbessern könnte. Heraus kam Labdoos Kernbotschaft: Millionen Kinder würden davon profitieren, wenn sie wenigstens einen Teil dieser Computer bekommen – Labdoo nennt es “die digitale Kluft verringern”, die Lücke zwischen denen mit und ohne digitale Medien. “Ein Laptop ist ein Türöffner zu Bildung, der Kindern freien Zugang zu Bildungsangeboten und Büchern aus dem Web garantiert”, schreibt Labdoo auf seiner Webseite. Viel mehr steht in der Rubrik “about” auch nicht – es sollen keine Namen im Vordergrund stehen, sondern die Idee.

Die hat sich inzwischen in 63 Ländern herumgesprochen, aus denen Freiwillige derzeit 95 Schulen und Kinderprojekte in aller Welt mit kostenlosen Laptops versorgen. Wer einen Rechner spendet, sieht im Netz genau, was gerade mit ihm passiert und wann er seinen Bestimmungsort erreicht. Jeder kann freiwillig bei einem der “Hubs” helfen, wenn er sich an die Charta der Organisation hält. Labdoo sei als humanitäres soziales Netzwerk, nur das Werkzeug, das auf seine Helfer angewiesen ist, heißt es darin. Nur nicht auf Geld: Labdoo soll keinen monetären Aspekt haben, nicht um Geldgeber werben. Ohne den Geld-Faktor werde die Mission des Projekts deutlich und fokussiert, steht in der Charta geschrieben. Und es reduziere den Papierkram.

In Deutschland soll Labdoo allerdings im kommenden Jahr zum Verein werden, damit die Helfer auch Spenden annehmen und Quittungen ausstellen können. Bis dahin wird Ralf Hamm sich weiter darum kümmern, alte Rechner von Daten und Staub zu säubern, und sie an ihren neuen Bestimmungsort weiterzuleiten. Und mehr Leuten von dem Projekt erzählen.